Aktiencrash-Angst?! Warum man sich als langfristig sparender Aktienanleger fallende Kurse wünschen sollte

Kursverluste sind und bleiben wohl für alle Zeiten das Schreckensgespenst der Börse… vor allem gilt das natürlich für große Kurseinbrüche und ganz besonders für schwerwiegende Börsencrashs. Diese Angst umgibt zahlreiche Aktienbesitzer, hält jedoch auch viele Anleger von der Börse fern, die keine Aktien haben.

Aber: Als langfristig (!) sparender Aktienanleger, der entweder passiv in ETFs anlegt oder aktiv in erfolgsversprechende Qualitätsaktien investiert, sollte man sich eigentlich vorübergehend fallende Kurse wünschen… zumindest dann, wenn man auch in Zukunft regelmäßig neue Sparbeträge an der Börse anlegen möchte (anstatt nur anfangs einmalig einen Betrag zu investieren) und darüber hinaus keine Aktienverkäufe in nächster Zeit plant.

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Warum sind vorübergehende Kursverluste für viele Langfrist-Anleger gut?

Weil man in schwachen Kursphasen günstig zuschlagen kann, was sich langfristig womöglich auszahlen wird (die Vergangenheit hat schließlich gezeigt, dass sich die Börsenmärkte normalerweise früher oder später wieder erholen).

Hier 2 Beispielszenarien, um diese Ansicht besser nachvollziehen zu können:

Beispiel-Szenario 1:

Nehmen wir an, die großen Aktienmärkte dieser Welt steigen stetig immer weiter an (der DAX beispielsweise innerhalb von 20 Jahren von 12.000 auf 22.000 Punkte). Das würde bedeuten, dass man bei neuen Aktieninvestments von Mal zu Mal immer mehr bezahlen müsste. Das wirkt sich auf die langfristige Rendite aus, die zwar in diesem Fall Jahr für Jahr ansteigt, aber letztendlich nicht so hoch ausfallen würde wie im 2. Beispielszenario, das ich nachfolgend beschreibe.

Beispiel-Szenario 2:

Nehmen wir an, die Börsenmärkte verlaufen über 15 Jahre hinweg mehr oder weniger seitwärts… mit einer leichten Tendenz nach unten in diesem Zeitraum (das wäre etwa der Fall, wenn der DAX innerhalb dieser 15 Jahre von 12.000 auf 11.000 Punkte fällt und sich andere wichtige Indizes prozentual ähnlich entwickeln). Doch nach diesen 15 eher dürftigen Börsenjahren startet ein großer Aufschwung, der die darauf folgenden 5 Jahre anhält und wo die Kurse sich in dieser Zeit verdoppeln (also letztendlich nach 20 Jahren das gleiche Kursniveau erreicht wird wie im 1. Beispiel-Szenario).

Das heißt:

Im 2. Beispiel-Szenario wäre man als langfristiger Anleger, der regelmäßig neue Sparbeträge in Qualitätsaktien bzw. ETFs investiert hat und mindestens 20 Jahre am Aktienmarkt Geld anlegt, renditemäßig besser gefahren als im Szenario des 1. Beispiels. Denn in den ersten 15 Jahren hätten man hier günstiger zugekauft und hätte so voll vom folgenden Aufschwung profitiert.

Anleger im 1. Beispiel würden dagegen nach 20 Jahren mit einer schlechteren Gesamtrendite dastehen, da sie aufgrund der stetig steigenden Kurse für neue Investments unterm Strich im Durchschnitt mehr bezahlen mussten.

Echtes Beispiel aus der Vergangenheit:

Wenn man mal einen Blick auf die tatsächlichen Kursentwicklungen der Vergangenheit wirft, dann kann man erkennen, dass etwa der DAX in den 70er und 80er Jahren einen ähnlichen Verlauf durchgemacht hat, wie das zuvor beschriebene 2. Beispiel-Szenario:

Der DAX ist nämlich ungefähr  zwischen Januar 1970 und Dezember 1982 leicht gefallen (über 12 Jahre hinweg, ohne größere Kursausschläge nach oben oder unten in diesem Zeitraum). Und das wäre eine gute Phase gewesen, um nach und nach regelmäßig neue Sparbeträge im DAX anzulegen… denn in den circa 6 bis 7 Jahren danach hat sich der DAX fast ver-3-facht!

Fazit: Zeitweise fallende Aktienkurse sind für langfristig sparende Investoren eigentlich wünschenswert

Rational betrachtet sind vorübergehende Kursverluste in der Zukunft also unter bestimmten Anlagevoraussetzungen (langer Anlagehorizont + regelmäßig neue Aktieninvestments) im Grunde positiv zu sehen.

Und im Nachhinein waren bisher vor allem Börsencrashphasen einzigartige Einstiegschancen, weil die Kurse aufgrund panikartiger und irrationaler Verkäufe auf breiter Front meist übertrieben an Wert verloren haben (das hat beispielsweise die rasante Kurserholung nach der Finanzkrise gezeigt).

Bei deutlich fallenden Kursen einzusteigen ist psychologisch gesehen logischerweise nicht einfach (Tipp: Mit einem automatisierten Aktien- bzw. ETF-Sparplan fällt es am leichtesten).

Zum Abschluss noch 2 wichtige Hinweise:

1. Hinweis:

Wichtig ist natürlich grundsätzlich, dass man anhand einer erfolgsversprechenden Börsenstrategie investiert, da sich nicht alle Aktien von Schwächephasen wieder erholen:

Als passiver ETF-Anleger sollte man am besten große Indizes nachbilden (Tipp: Mein Buch ETFs kaufen für Anfänger: Wie man in 15 Schritten ein starkes ETF-Depot aufbaut)… und als aktiver Aktienanleger ist es von elementarer Bedeutung, dass man mit einer guten Auswahlstrategie auf langfristig aussichtsreiche Aktien setzt (Tipps: Das Zukunfts-Depot der Rendite-Spezialisten 1 zu 1 kopieren oder mit meiner Aktienstrategie die sichersten Top-Aktien finden).

Mit starken Aktien aus defensiven Branchen, wie ich sie mit meiner Anlagemethode aufzuspüren versuche, braucht man als Aktienbesitzer in der Regel am wenigsten Sorgen haben, wenn Börsenkurse auf breiter Front fallen… denn diese Aktien bzw. Unternehmen verdienen Geld damit, Grundbedürfnisse von Menschen zu befriedigen. Grundbedürfnisse, auf die Viele nicht verzichten möchten oder gesundheitlich unabdingbar sind.

Aber man muss immer bedenken: Auch diese Aktien werden in Aktiencrashzeiten aufgrund irrationaler Verkaufspanik meist mit nach unten gezogen… aber eben normalerweise nicht so stark wie viele andere Aktien. Hier mehr Infos zu meiner Aktienstrategie, die ich in einem Buch vorstelle (viele positive Bewertungen!).

2. Hinweis:  

Wichtig ist auch, dass man davon überzeugt ist, dass der Gesamtmarkt (als passiver Anleger) bzw. die einzelnen ausgesuchten Aktien (als aktiver Anleger) langfristig weiter ansteigen werden. Denn das ist gerade dann von entscheidender Bedeutung, wenn die Kurse über einen längeren Zeitraum nach unten zeigen (sonst fällt es einem schwerer, nachzukaufen oder läuft vielleicht sogar Gefahr, ETF-Anteile bzw. Aktien aus Angst vor weiteren Kursverlusten wieder zu verkaufen).

Wenn man diese Überzeugung nicht hat, dann sollte man daran arbeiten, diese Überzeugung zu bekommen (zuvor ist es nicht sinnvoll, Geld in Aktien zu investieren). Dazu könnte man sich zum Beispiel vor Augen führen, wie gut sich die Börsenkurse in der Vergangenheit über Jahrzehnte hinweg entwickelt haben (siehe etwa Langfrist-DAX-Grafik hier).

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