Wann sind Aktien unterbewertet? Wie Aktienbewertung analysieren?

Wie kann man herausfinden, ob eine Aktie aktuell unterbewertet und damit eventuell günstig ist? Zu dieser Thematik habe ich schon mal einen allgemeinen Artikel geschrieben, den man hier abrufen kann.

In diesem Zusatz-Artikel möchte ich nun eine spezielle Analyse-Funktion des Aktienfinders (hier mein Test) genauer vorstellen, mit der man anschaulich erkennen kann, ob eine Aktie zurzeit möglicherweise unterbewertet oder überbewertet ist. Denn der Aktienfinder ist meiner Meinung nach das beste Online-Tool im deutschsprachigen Raum, um schnell und einfach das aktuelle Bewertungsniveau einer Aktie zu überprüfen.

Ich zeige gleich Schritt für Schritt, wie man das macht. Zuvor noch der Hinweis, dass ihr das Aktienfinder-Tool hier direkt aufrufen* könnt. Dadurch könnt ihr das Ganze sofort selbst einmal ausprobieren. Und zwar ganz ohne Anmeldung, da man einige Aktien auch ohne Login analysieren kann. Legen wir los:

Aktienbewertungen analysieren mit dem Aktienfinder: Schritt-für-Schritt-Anleitung

Im Folgenden erkläre ich Schritt für Schritt die Vorgehensweise, wie man anhand des Aktienfinder-Onlinetools dem gegenwärtigen Bewertungsniveau einer Aktie auf die Spur kommt.

1. Schritt:

Den Aktienfinder über diesen Link* online aufrufen.

2. Schritt:

Jetzt sieht man im oberen Bereich eine Liste, wo man bestimmte Aktien auswählen kann (Hinweis: Als Vollmitglied kann man über 1300 Aktien analysieren). Wenn man hier eine gewünschte Aktie anklickt, die man checken möchte, öffnen sich daraufhin diverse Grafiken im unteren Bereich der Webseite. Standardmäßig wird hier der „Qualitätscheck“ angezeigt. 

3. Schritt:

Als nächstes klickt man auf den Menüpunkt „Bewertung“ (siehe Bild weiter unten).Auf diese Weise landet man in der Grafik „Fairer Wert“ für die zuvor ausgewählte Aktie.

4. Schritt:

Nun kann man sich in der Grafik bestimmte Parameter anzeigen lassen bzw. durch Anklicken entfernen. Oberhalb der Grafik klickt man jetzt auf die Punkte „Gewinn“, „Bereinigter Gewinn“, „Operativer Cashflow“, „Dividende“, „Fair Value bil. Gewinn“, „Fair Value Cash-Flow“ und „Fair Value Dividende“.

Dadurch werden nur noch die Linien „Kurs“ und „Fair Value bereinigt“ angezeigt. Das ist in meinen Augen der sinnvollste Weg, um die aktuelle Bewertung einer Aktie herauszufinden. Auf einige der anderen nützlichen Optionen bzw. Bewertungsanalysen gehe ich aber weiter unten im Artikel auch nochmal kurz ein.

5. Schritt:

Was sieht man jetzt in der Grafik?

  • Zum einen erkennt man den Kursverlauf der gewählten Aktie in einem bestimmten Zeitraum, der durch die schwarze Linie dargestellt wird. Einerseits sieht man im linken Bereich die feststehende historische Kursentwicklung der Vergangenheit und andererseits eine Kursprognose im rechten Bereich der Grafik, der farblich etwas dunkler dargestellt ist als der Rest (siehe Beschriftung „Prognose“). Da der zukünftige Kursverlauf natürlich unbekannt ist, wird vereinfacht angenommen, dass er immer gleich bleiben würde (daher die gerade Linie im Prognose-Bereich der Grafik). Das wird höchstwahrscheinlich in Wirklichkeit nicht eintreffen, aber dadurch hat man eine Vergleichsmöglichkeit für die prognostizierten Gewinnzahlen der Analysten.
  • Zum anderen sieht man anhand der gestrichelten hellbraunen Linie den Verlauf des fairen Werts der Aktie (Vergangenheit und Prognose) nach dem bereinigten (!) Gewinn des Unternehmens. Warum ist es sinnvoller, hier den bereinigten Gewinn heranzuziehen anstatt den bilanzierten Gewinn? Weil beim bereinigten Gewinn sogenannte Sonder- bzw. Einmaleffekte nicht berücksichtigt werden. Dabei kann es sich zum Beispiel um unerwartete Abschreibungen, Abfindungen oder Strafzahlungen in Folge eines Rechtsstreits handeln. Solche Sonder- bzw. Einmaleffekte sind aber untypisch für das laufende Geschäft und damit für die „normale“ Gewinnentwicklung, wodurch ein Vergleich zwischen den Geschäftsjahren erschwert wird.

Hinweis: Wie der faire Wert einer Aktie ermittelt wird, darauf gehe ich im Absatz „Zusätzliche Infos…“ weiter unten noch ein, damit man die Hintergründe besser verstehen kann.

6. Schritt:

Wie erkennt man nun, ob der aktuelle Kurs hinsichtlich der Entwicklung des fairen Werts aktuell niedrig oder teuer bewertet ist? Ganz einfach: Wenn der aktuelle Aktienkurs bzw. die schwarze Linie oberhalb der gestrichelten Linie verläuft, dann liegt womöglich momentan eine Überbewertung vor, da der Kurs sich vom fairen Wert nach oben hin abgekoppelt hat (die Gewinnentwicklung kann also nicht mit dem Kursverlauf mithalten).

Bei dieser Aktie liegt zum Beispiel anscheinend zurzeit eine Überbewertung vor (als Beispiel dient die Aktie BASF; das ist keine Handelsempfehlung!):

wann-Aktien-unterbewertet-Aktienbewertung-analysieren

Merke: Je weiter die schwarze Linie oberhalb der gestrichelten Linie entfernt ist, desto größer scheint die Überbewertung nach dem „Fair Value bereinigt“ zu sein (= teuer).

Und wenn sich der aktuelle Kurs unterhalb der gestrichelten Linie befindet, dann scheint dagegen eine Unterbewertung vorzuliegen (= günstiger Kurs). Je weiter die Linien hier auseinanderliegen, desto größer ist möglicherweise die Unterbewertung.

Zusätzliche Infos und wichtige Hinweise zum Analyseergebnis:

  • Neben dem „Fair Value bereinigt“ kann man den Kurs auch mit den Parametern „Fair Value bilanzierter Gewinn“ (= fairer Wert nach dem bilanzierten Gewinn inkl. Sondereffekte), „Fair Value Cashflow“ (= fairer Wert nach der Cashflow-Entwicklung) und „Fair Value Dividende“ (= fairer Wert nach der Dividendenentwicklung) vergleichen. Jeder kann also seine favorisierten Bewertungsanalysen durchführen.
  • Wie berechnet der Aktienfinder den fairen Wert einer Aktie? Das geschieht über historische Bewertungskennzahlen aus der Vergangenheit. Und zwar je nach Fairer-Wert-Kennzahl anhand des Durchschnitts-KGVs (was bedeutet KGV?),  des KCVs oder der durchschnittlichen Dividendenrendite. Dadurch eignet sich eine Bewertungsanalyse insbesondere bei Aktien, die schon einige Jahre an der Börse sind. Bei neueren Aktien liegen dagegen noch weniger historische Daten vor, wodurch so eine Analyse erschwert wird.
  • Es ist nicht nur möglich, die aktuelle Bewertung einer Aktie zu analysieren, sondern man kann in der Grafik auch gut den Bewertungsverlauf der  Vergangenheit betrachten (wann war die Aktie zuletzt über- bzw. unterbewertet?). Auch für die Zukunft ist das möglich, wo die Daten auf Analystenprognosen basieren, die sich jederzeit ändern können (Prognosezahlen werden in der Grafik unter der Annahme verglichen, dass der aktuelle Kurs stagniert, um einen vereinfachten Anhaltspunkt zu haben).
  • Die Grafik „Fairer Wert“ bietet auch einige Zusatz-Funktionen. Man kann beispielsweise das aktuelle Aufhol- bzw. Rückschlagpotenzial zu einer Bewertungssituation ausrechnen (dazu muss man Punkte im Chart markieren, etwa den aktuellen Kurs und ein Prognose-Wert, um es dann unter dem Punkt „Rendite“ rechts von der Grafik abzulesen).
  • Man sollte immer im Hinterkopf behalten, dass an der Börse die Zukunft gehandelt wird (egal, wie die Aktienbewertung aktuell ist). Ausschlaggebend dafür, ob eine Über- bzw. Unterbewertung in Zukunft abgebaut wird, ist vor allem die zukünftige Geschäftsentwicklung bzw. kommende Prognosen. Je nach Branche bzw. Aktie kann das aber auch mal weniger eine Rolle spielen, etwa wenn Aktien einer bestimmten Branche aktuell total out sind.
  • Achtung: Man sollte die Analyseergebnisse auch verstehen und richtig einordnen können. Denn wenn eine Aktie überbewertet ist, bedeutet das im Grunde nur, dass die Gefahr eines Rückschlags erhöht ist (eine Aktie kann in eine hohe Bewertung mit der Zeit aber auch reinwachsen). Und die Unterbewertung einer Aktie signalisiert lediglich, dass die Chance auf eine Kurserholung zugenommen hat (= gesteigertes Aufholpotenzial), was aber tatsächlich nicht zwingend eintreffen muss. Das heißt: Wie sich der Kurs tatsächlich entwickeln wird, kann man trotzdem schwer vorhersagen. Eine Über- bzw. Unterbewertung kann sich auch verstärken! Dessen muss man sich immer bewusst sein. Aber ein Bewertungscheck liefert einen Anhaltspunkt, den man meiner Meinung nach mit einbeziehen sollte, wenn man bei einer Aktie über einen Kauf nachdenkt (neben anderen Auswahlkriterien!). Außerdem ist die Börse oft emotional getrieben anstatt rational, was auch eine sehr wichtige Rolle spielt und auf Kursentwicklungen Einfluss nimmt (Stichwort Börsenpsychologie).
  • Es ist in meinen Augen nicht unbedingt sinnvoll, immer nur Aktien zu kaufen, die zum Kaufzeitpunkt unterbewertet sind. Es kann nämlich eine sogenannte „Value-Trap“ sein. Dabei handelt es sich um eine Einstiegsfalle, wo ein Kauf zuerst günstig erscheint, aber danach der Kurs immer weiter abstürzt trotz anhaltender Unterbewertung. Daher kaufe bzw. verkaufe ich selbst auch keine Aktien nur aus dem Grund, weil aktuell eventuell eine Über- bzw. Unterbewertung vorliegt (es ist nur ein zusätzlicher Punkt, auf den ich achte bei meiner eigenen selbst entwickelten Aktienstrategie, die ich auch in einem Buch vorstelle).

Fazit: Der Aktienfinder ist ein starkes Tool, um die Bewertungen von Aktien zu checken

Mit Hilfe der Fairer-Wert-Grafik des Aktienfinders kann man einfach, schnell und anschaulich herausfinden, ob eine Aktie momentan womöglich unterbewertet, überbewertet oder fair bewertet ist.

Und wie bereits erwähnt: Wenn ihr hier klickt*, könnt ihr die Bewertungsfunktion direkt selbst im Aktienfinder bei einigen Aktien testen… ganz ohne sich anmelden zu müssen. Den vollen Umfang (mehr Aktien etc.) kann man in der Premium-Version nutzen. Mehr Infos zum Aktienfinder findet man hier in meinem ausführlichen Test- und Erfahrungsartikel.

Es gibt natürlich auch andere Webseiten und Online-Tools im Web, um die Bewertung einer Aktie zu checken. Aber in dieser anschaulichen und ausführlichen Form bieten das nicht viele. Im englischsprachigen Raum gibt es zum Beispiel noch fastgraphs.com, wo man ähnliche Aktiendaten und –Grafiken aufrufen kann.

Ich nutze den Aktienfinder übrigens selbst regelmäßig. Und zwar nicht nur, um den fairen Wert von Aktien zu untersuchen… sondern auch, um historische Daten und Prognosen von Aktien zu analysieren, die ich interessant finde (darüber hinaus verwende ich das Tool auch für meine Aktienanalysen auf meinem YouTube-Kanal).

Ich bin also selbst vollkommen vom Aktienfinder vollkommen überzeugt. Allerdings möchte ich trotzdem nicht unerwähnt lassen, dass ich eine kleine Provision erhalte, wenn ihr über meinen Link* eine kostenpflichtige Vollmitgliedschaft beim Aktienfinder abschließt. Das kostet euch aber keinen einzigen Cent mehr und auf diese Weise unterstützt ihr meine Arbeit hier.

Also worauf wartet ihr noch? Probiert das Bewertungstool des Aktienfinders einfach selbst mal unverbindlich aus.


Artikel-Tipps:

Werbung